Eugen Pissarskoi

Dr.phil.

Mit meiner Forschungs- sowie Politikberatungsarbeit möchte ich zu einer reflektierten Handlungsorientierung in Bezug auf Nachhaltige Entwicklung beitragen.

Mein Fokus liegt darin, Argumente zu präzisieren, mit denen über die Ziele der Nachhaltigkeitstransformation und geeignete Wege dazu innerhalb der Wissenschaft, in politischen Prozessen und in der breiten Öffentlichkeit debattiert wird.

Schwerpunkte
  • Ethik Nachhaltiger Entwicklung
  • Wirtschaftsethik
  • Argumentanalyse
  • Entscheidungsfindung

Um reflektierte Handlungsorientierung in Bezug auf Nachhaltige Entwicklung zu erlangen – d.h. begründet zu entscheiden, was ich als Indviduum, wir als Organisation, Nationalstaat oder Menschheit tun sollen, um sowohl intergenerationell als auch global gerecht zu leben – müssen die Konsequenzen unseres Handelns vorhergesagt und bewertet werden:

  1. sowohl von unseren Aktivitäten, die potentiell das Wohl zukünftiger Generationen mindern (wie Verbrauch nicht-erneuerbarer Ressourcen, anthropogen verursachte Emissionen von Treibhausgasen)
  2. als auch von Maßnahmen, mit denen wir zu vermeiden suchen, dass das Wohl zukünftiger Generationen gefährdet wird.

Diese Aufgabe ist allerdings in folgenden Hinsichten voraussetzungsreich:

epistemisch:

  • Langfristige Auswirkungen von Eingriffen in natürliche Systeme können nicht mit Sicherheit vorhergesagt werden, vielmehr werden Szenarien – idealerweise lassen sie sich als mögliche Auswirkungen interpretieren – vorhergesagt. Diese Szenarien können von unterschiedlicher epistemischer Qualität sein: manchmal ist die Wahrscheinlichkeit bestimmbar, mit der ein Szenario eintreten wird – dann verfügen wir über probabilistisches Zukunftswissen; manchmal ist keine Wahrscheinlichkeitsangabe möglich – dann wissen wir lediglich, dass die im Szenario beschriebene Entwicklung möglich ist.
    • Es kann nicht eindeutig bestimmt werden, wie stark sich gesellschaftlich relevante Größen wie Oberflächentemperatur, Meeresspiegelanstieg, Veränderung von Niederschlägen etc. in Abhängigkeit von einer bestimmten Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre verändern1.
  • Unter Wissenschaftler*innen ist es umstritten, wie genau die Qualität von klimatischen Zukunftsprognosen und gesellschaftspolitischen Konsequenzen daraus eingeschätzt werden sollte, insbesondere ist der Gewissheitsgrad von extremen Szenarien umstritten.
    • Klimawissenschaftler*innen und Wissenschaftstheoretiker*innen sind sich uneinig darüber, ob die Reaktion von klimatischen Größen auf zunehmende atmosphärische THG-Konzentrationen in Wahrscheinlichkeiten angegeben werden kann (d.h. probabilistisches Zukunftswissen haben) oder ob wir lediglich Bandbreiten von physikalisch möglichen Reaktionen kennen (d.h. lediglich possibilistisches Zukunftswissen haben), vgl. Stainforth et al. 2007 oder Betz 2007.
  • Dies offenbart die folgende Lücke für eine reflektierte Entscheidungsfindung:
    • Die Einschätzung der epistemischen Qualität von Zukunftsprognosen bezüglich Klimawandelfolgen ist unter Wissenschaftler*innen kontrovers. Die epistemische Qualität von Zukunftsprognosen hat allerdings einen signifikanten Einfluss auf die Bewertung von Handlungsoptionen.

epistemisch-normativ

  • Entscheidungen über klimapolitische Maßnahmen müssen im Lichte von unsicheren Konsequenzen getroffen werden. Es ist allerdings umstritten, mit welchen normativen Prinzipien Entscheidungen unter Risiko und Unsicherheit begründet werden sollen.

normativ:

  • Klimawandelfolgen werden nahezu alle Bereiche dessen betreffen, was für uns, Menschen, wertvoll ist: neben materiellen Gütern sind es immaterielle Werte wie geographische Verbundenheit bzw. Verwurzelung, Lebenspläne, verinnerlichte Gewohnheiten, Gesundheit, Sterblichkeit. Hinzu kommen Veränderungen für nicht-menschliche moralisch berücksichtigungswürdige Lebewesen.

    • Identifikation von allen normativ relevanten Belangen, ihre Bewertung und Aggregation zu einer einheitlichen Größe (bzw. ihre Vergleichbarkeit untereinander) haben ebenfalls signifikanten Einfluss auf die Bewertung von Handlungsoptionen.
    • Gleichzeitig sind alle diese Schritte der Bewertung von sozialen Zuständen –
      • Auflistung aller normativ relevanter Belange;
      • Bewertung jedes dieser Belange;
      • Aggregation aller betroffenen Belange zu einer einheitlichen Wertgröße –
      kontrovers: unterschiedliche Bewertungstheorien führen zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Gesellschaftliche Kontroversen über Ziele und Strategien Nachhaltiger Entwicklung resultieren jedoch vielfach daraus, dass

  • die Konsequenzen aus dem Ressourcenverbrauch und Treibhausgasemissionen nicht eindeutig vorhergesagt werden können;
  • es unsicher ist, welchen Einfluss der Ressourcenverbrauch und Treibhausgase emittierende Aktivitäten auf die Lebensqualität von Menschen hat.

So treibt mich die Frage um, wie eine reflektierte Entscheidunsfindung angesichts der beschriebenen wissenschaftlichen Lücken und der damit zusammenhängenden akademischen und politischen Kontroversen erfolgen sollte.

Forschungsthemen

Aus Eigeninteresse verfolgt

Meine Arbeiten kreisen um die Frage, wie sich langfristige und gesellschaftlich tiefgreifende Politikmaßnahmen begründen lassen

  • unter Anerkennung der Ungewissheiten über langfristige Folgen
  • angesichts einer Vielfalt von Vorstellungen Guten Lebens

Darüber hinaus hat mich stets die methodologische Meta-Frage beschäftigt:

  • Mit welchen Methoden sollten an die politische Öffentlichkeit gerichtete Handlungsempfehlungen aus der Wissenschaft begründet werden?

Gesellschaftspolitisch motiviert

Die aus Eigeninteresse verfolgten Forschungsfragen haben sich mir wiederum gestellt, weil von ihren Antworten unser Umgang mit bestehenden gesellschaftlichen Herausforderungen –

  • Klimawandel oder Nachhaltige Entwicklung generell,
  • aber auch technische Veränderungen wie Digitalisierung oder Künstliche Intelligenz –

abhängt. Entsprechend habe ich die theoretischen Fragen vielfach am Beispiel von tatsächlich bestehenden gesellschaftspolitischen Debatten und Kontroversen diskutiert.

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Fußnoten

  1. Klimasensitivität beschreibt, wie stark sich die Oberflächentemperatur langfristig verändert, nachdem sich die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre verdoppelt hat. Der 6. Bericht des Weltklimarates gibt die Bandbreite zwischen 1,5 und 7,7°C als “sehr wahrscheinlich” an.↩︎